Pflegenot Deutschland

Meinungen

Stimmen aus der Pflege.

Was Pflegekräfte, Angehörige und Bewohner über die tägliche Realität sagen. Acht Zitate plus vier ausführliche Stakeholder-Interviews — die zeigen, wie sich der Pflegenotstand jenseits der Statistik anfühlt.

Weitere Stimmen

Acht Zitate aus der Pflege-Realität

Wir können in der Pflege nicht weitermachen wie bisher — wir riskieren sonst, dass am Ende niemand mehr da ist, der pflegt.
Marlene Schäfer, Pflegedienstleitung, Berlin
Wenn ich nachts allein für 30 Bewohner verantwortlich bin und ein Patient stürzt, kann ich nicht überall gleichzeitig sein. Das ist keine Pflege mehr — das ist Schadensbegrenzung.
Tomasz K., Altenpfleger, Hamburg
Meine Mutter hat 45 Jahre gearbeitet. Jetzt geht ihre ganze Rente plus mein Erbe für ihren Heimplatz drauf. Wenn ich kein eigenes Einkommen hätte, müssten wir längst zum Sozialamt.
Andrea Lehmann, Tochter einer Pflegebedürftigen, München
Ich liebe meinen Beruf — die Menschen, die Aufgaben, die Verantwortung. Aber ich kann nicht mehr in Schichten arbeiten, nach denen ich nicht mehr hochkomme. Vollzeit halte ich physisch nicht durch.
Sarah B., Krankenschwester, Köln
Wir bilden 30 Azubis pro Jahr aus, am Ende kommen 18 raus. Die Praxisanleitung machen wir nebenbei zwischen Dienst-Übergabe und Visite — das funktioniert nicht.
Dr. Markus Reinhardt, Pflegedirektor Klinikum, Stuttgart
Mein Vater hatte Pflegegrad 4, ich habe ihn drei Jahre lang zu Hause gepflegt. Ohne meine Schwester wäre das nicht gegangen. Was machen Familien, die das nicht haben?
Selma Y., Pflegende Angehörige, Frankfurt
Wenn die Politik ehrlich wäre, würde sie sagen: Wir wissen, wie es geht. Wir wollen es nur nicht bezahlen. Stattdessen reden wir seit zehn Jahren um den heißen Brei herum.
Prof. Dr. Sabine Wartburg, Pflegewissenschaftlerin, Universität Bremen
Drei von vier Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt — und in vielen Familien geht das nur mit einer 24-Stunden-Betreuung. Diese stille Säule der häuslichen Pflege wird in der politischen Debatte fast nie mitgedacht.

Zur Veröffentlichung

Einige Zitate stammen anonymisiert aus Interviews mit Pflegekräften und Angehörigen, die uns ihre Erfahrungen geschildert haben. Vor- und Nachname sind dabei mit Einwilligung der Personen veröffentlicht — dort, wo eine anonyme Form gewünscht wurde, geben wir Initialen oder Berufsrolle an.