Wir können in der Pflege nicht weitermachen wie bisher — wir riskieren sonst, dass am Ende niemand mehr da ist, der pflegt.
Meinungen
Stimmen aus der Pflege.
Was Pflegekräfte, Angehörige und Bewohner über die tägliche Realität sagen. Acht Zitate plus vier ausführliche Stakeholder-Interviews — die zeigen, wie sich der Pflegenotstand jenseits der Statistik anfühlt.
Vier Stakeholder, vier Perspektiven
Wer sind die Betroffenen?
Hinter den Zahlen stehen Menschen — Pflegekräfte, Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegeberater:innen. Ihre Erfahrungen lesen Sie in den vier ausführlichen Interviews.
Pflegekräfte
Maria L.
Auf dem Rücken der Pflegekräfte wird Rendite erzielt.
Zum InterviewAngehörige
Svetlana B.
Wir als Angehörige werden emotional und finanziell vollkommen allein gelassen.
Zum InterviewPflegebedürftige
Josef G.
Man sollte eigentlich davon ausgehen, dass die Gesellschaft die Schwachen auffängt. Das Gegenteil ist der Fall.
Zum InterviewPflegeberaterin
Luisa S.
Viele Familien sind finanziell überfordert, selbst wenn die Kinder sich beteiligen.
Zum InterviewWeitere Stimmen
Acht Zitate aus der Pflege-Realität
Wenn ich nachts allein für 30 Bewohner verantwortlich bin und ein Patient stürzt, kann ich nicht überall gleichzeitig sein. Das ist keine Pflege mehr — das ist Schadensbegrenzung.
Meine Mutter hat 45 Jahre gearbeitet. Jetzt geht ihre ganze Rente plus mein Erbe für ihren Heimplatz drauf. Wenn ich kein eigenes Einkommen hätte, müssten wir längst zum Sozialamt.
Ich liebe meinen Beruf — die Menschen, die Aufgaben, die Verantwortung. Aber ich kann nicht mehr in Schichten arbeiten, nach denen ich nicht mehr hochkomme. Vollzeit halte ich physisch nicht durch.
Wir bilden 30 Azubis pro Jahr aus, am Ende kommen 18 raus. Die Praxisanleitung machen wir nebenbei zwischen Dienst-Übergabe und Visite — das funktioniert nicht.
Mein Vater hatte Pflegegrad 4, ich habe ihn drei Jahre lang zu Hause gepflegt. Ohne meine Schwester wäre das nicht gegangen. Was machen Familien, die das nicht haben?
Wenn die Politik ehrlich wäre, würde sie sagen: Wir wissen, wie es geht. Wir wollen es nur nicht bezahlen. Stattdessen reden wir seit zehn Jahren um den heißen Brei herum.
Drei von vier Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt — und in vielen Familien geht das nur mit einer 24-Stunden-Betreuung. Diese stille Säule der häuslichen Pflege wird in der politischen Debatte fast nie mitgedacht.
Zur Veröffentlichung
Einige Zitate stammen anonymisiert aus Interviews mit Pflegekräften und Angehörigen, die uns ihre Erfahrungen geschildert haben. Vor- und Nachname sind dabei mit Einwilligung der Personen veröffentlicht — dort, wo eine anonyme Form gewünscht wurde, geben wir Initialen oder Berufsrolle an.