Pflegenot Deutschland
Alle Meinungen
Pflegeberaterin

Luisa S. · Pflegeberaterin, vier Jahre Berufserfahrung

Viele Familien sind finanziell überfordert, selbst wenn die Kinder sich beteiligen.

Hintergrund

Luisa S. arbeitet als Pflegeberaterin bei einer großen gesetzlichen Krankenkasse. Ihr Job: Familien durch das verschachtelte System der Pflegeleistungen führen.

„Die meisten Menschen, die zu mir kommen, wissen nicht, was ihnen zusteht. Sie wissen nicht, was Verhinderungspflege ist, sie wissen nicht, dass Pflegehilfsmittel separate Anträge brauchen, sie wissen nicht, dass Wohnraum­anpassung bezuschusst wird. Da sind monatlich oft 500-800 Euro auf dem Tisch, die nicht abgerufen werden.“

Ihr Eindruck nach vier Jahren: Die Leistungen werden besser, die Bürokratie wird komplizierter. „Es gibt heute mehr Geld im System als vor zehn Jahren. Aber die Menschen kommen schwerer dran. Das ist absurd.“

Was sie besonders ärgert: „Die Pflegeberatung ist seit 2009 ein Recht. Trotzdem wissen die meisten nicht, dass sie sie kostenfrei nutzen können. Wir als Pflegestützpunkte und Kassen-Beratende erreichen vielleicht 30 Prozent der Berechtigten — der Rest navigiert sich allein durch.“

Was sollten Familien als Erstes tun?

„Pflegestützpunkt suchen — kostenfrei, neutral, gut. Die Berater dort haben Zeit, die in Akutsituationen niemand sonst hat. Plus: alle Antragsformulare gemeinsam ausfüllen statt allein. Es gibt zu viele Stolperfallen, die man als Laie nicht kennt.“

ca. 2,2 Mio.

Pflegeberatungen pro Jahr (gesetzlicher Anspruch)

ca. 415

Pflegestützpunkte bundesweit

2009

Recht auf Pflegeberatung etabliert seit

Weitere Stimmen

Lesen Sie auch die anderen Stakeholder-Stimmen.

Zu allen Meinungen