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Personalmangel in der Pflege — drei Viertel aller Heime arbeiten am Limit

Drei Viertel aller Altenpflegeeinrichtungen melden ernsthafte Personalengpässe. Pflege rangiert auf Platz zwei der Engpassberufe Deutschlands. Und der Bedarf steigt schneller, als ausgebildet werden kann.

Aktualisiert am

Pflege ist 2026 nach Aussage der Bundesagentur für Arbeit der zweitgrößte Engpassberuf Deutschlands. Über 17.600 Vollzeitstellen in der Altenpflege blieben 2024 unbesetzt, weitere 15.000 in der Krankenpflege. Und das ist nur die offizielle Lücke — die tatsächliche Versorgungslücke liegt höher, weil viele Einrichtungen Stellen erst gar nicht mehr ausschreiben, wenn klar ist, dass sie unbesetzt bleiben.

Das demografische Doppel

Die Pflege trifft der demografische Wandel doppelt:

  1. Mehr Pflegebedürftige. Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen jetzt das Pflegealter. Bis 2030 rechnet das Statistische Bundesamt mit 6,2 Mio. Pflegebedürftigen — eine Steigerung um knapp 600.000 in nur fünf Jahren.
  2. Weniger Arbeitskräfte. Die gleichen Babyboomer gehen aus dem Pflegeberuf in Rente. Die Arbeitsmarkt-Reserve in Pflegeberufen sinkt von 2,0 % (2025) auf 1,0 % (2027) — praktische Vollbeschäftigung.

Ausbildung wächst — aber nicht genug

Die gute Nachricht: 2024 begannen 59.400 Personen eine Pflegeausbildung — neun Prozent mehr als 2023. 37.400 schlossen ihre Ausbildung erfolgreich ab. Die generalistische Pflegeausbildung von 2020 zeigt Wirkung.

Die schlechten Nachrichten:

  • Abbruchquote: Rund 30 Prozent in der Pflegefachkraft-Ausbildung, 35-50 Prozent in der Pflegehilfe-Ausbildung. Bei 59.400 Anfängern bleiben effektiv nur 35-40.000 übrig.
  • Teilzeit-Quote: Etwa die Hälfte aller Pflegekräfte arbeitet Teilzeit (gegenüber einem Drittel im Bundesdurchschnitt aller Berufe). Die Vollzeit-Äquivalente sind also deutlich niedriger als die Köpfe.
  • Fluktuation in den ersten 5 Berufsjahren: Studien des Pflegerats zeigen, dass über 30 % der jungen Pflegekräfte den Beruf binnen fünf Jahren wieder verlassen — Hauptgründe: Schichtdienst, Belastung, Bezahlung.

Migration trägt das Wachstum

Seit drei Jahren in Folge stammt der Nettozuwachs an Pflegekräften ausschließlich aus dem Ausland. Allein 2024 wuchs die Zahl der Pflegekräfte mit ausländischer Staatsbürgerschaft um 27.000. Hauptherkunftsländer: Türkei, Polen, Bosnien-Herzegowina, Philippinen, Brasilien.

Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse wurde 2024/25 deutlich beschleunigt — ein Schlüssel für weitere Zuwächse. Aber: Auch internationale Anwerbung stößt an Grenzen. Andere alternde Länder (Japan, Italien, UK) konkurrieren um dieselben Fachkräfte.

Was sich bewährt — und was nicht

Bewährt:

  • Tariftreue-Regelung 2022: Pflegeeinrichtungen, die mit der SPV abrechnen, müssen Tariflöhne zahlen. Das hat den Pflegelohn-Durchschnitt deutlich gehoben.
  • Generalistische Ausbildung: Eine gemeinsame Grundausbildung für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege erhöht Mobilität und Attraktivität.
  • Zentrale Anerkennung im Bund statt 16 Landesregelungen — beschleunigt Migration.

Nicht bewährt:

  • Personalbemessungs-Verordnung (PeBeM) — bisher nur Empfehlung, keine bindende Pflicht für Heime.
  • „Concierge"-Modelle in Krankenhäusern, die Pflege durch Hilfskräfte ersetzen — verschärfen Belastung der verbliebenen Fachkräfte.
  • Kurzzeitige Boni (Corona-Prämie etc.) — wirken einmalig, aber nicht strukturell.

Wirklich helfen würde …

Aus Sicht des Pflegerats und der einschlägigen Forschung:

  1. Verbindliche Personalbemessung für alle Pflegeheime, nicht nur als Empfehlung
  2. Reduktion der Schichtdienst-Belastung — z. B. Begrenzung von Einspring-Diensten, garantierte freie Wochenenden
  3. Bezahlte Praxisanleitung für Auszubildende — heute oft nebenbei und ohne Zeitkontingent
  4. Aufstiegsperspektiven durch akademische Pflege — Bachelor of Nursing, fortgeschrittene Pflegepraxis (APN)
  5. Bezahlung 25-30 % über Tarif für Vollzeit — Anreiz für Reduktion der Teilzeit-Quote