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Pflegewirtschaft

Hygiene in der Pflege — Mängel gefährden Personal und Patienten

Wenn die Versorgung der Patientinnen und Patienten zur Akkordarbeit wird, bleibt kaum Zeit für gründliche Hygienemaßnahmen. Die Folgen treffen Personal und Pflegebedürftige gleichermaßen.

Veröffentlicht am — aktualisiert am

Hygiene gilt als Grundpfeiler jeder pflegerischen und medizinischen Versorgung. In der Praxis kommt sie jedoch zu oft zu kurz — die Gründe liegen nicht beim einzelnen Personal, sondern in den strukturellen Bedingungen.

Wenn Pflege zu Akkord­arbeit wird

In Pflegeheimen und Krankenhäusern ist Hygiene-Compliance eine Frage der Zeit. Wer nachts allein für 30 Bewohner verantwortlich ist, schafft die volle Hygiene-Routine nicht — Hände­desinfektion vor jedem Patientenkontakt, Schutzkleidung wechseln, Flächen­desinfektion nach jeder Maßnahme. Was unter Idealbedingungen 30 Sekunden dauert, summiert sich auf zig Minuten pro Schicht.

Studien des Robert Koch-Instituts zeigen: Die Hände­hygiene-Compliance liegt in deutschen Krankenhäusern deutlich unter dem WHO-Empfehlungs­wert. Die Folge: vermeidbare nosokomiale Infektionen, MRSA-Übertragungen, Wund­infektionen.

Was die Mängel kosten

Schätzungen aus der Krankenhaus­hygiene-Forschung gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich 400.000 bis 600.000 nosokomiale Infektionen auftreten — viele davon vermeidbar. Bis zu 20.000 Todesfälle pro Jahr stehen damit im Zusammenhang.

Die wirtschaftlichen Folgen sind ebenfalls erheblich: längere Krankenhaus­aufenthalte, teurere Behandlungen, Personalausfälle. Geld, das bei besseren Personal­schlüsseln eingespart werden könnte.

Personal als Multiplikator

Hygienemängel betreffen nicht nur Patient:innen — auch das Personal trägt Risiken. Übertragungen von Keimen können das Pflegepersonal selbst krank machen, was den Personalmangel weiter verschärft. Die hohe Zahl an Krankheitstagen in Pflegeberufen hat hier eine ihrer Wurzeln.

Was wirklich hilft

  • Verbindliche Personal­bemessung, die genug Zeit für Hygiene-Routinen einplant
  • Standardisierte Hygiene­konzepte in jeder Einrichtung, die nicht beim ersten Personalengpass kippen
  • Bezahlte Hygiene­schulungen mit regelmäßigen Auffrischungen
  • Ausreichende Ausstattung mit Schutzkleidung, Desinfektions­mitteln, Einweg-Materialien
  • Hygiene­fachkräfte in jeder Einrichtung — nicht nur in Großkrankenhäusern

Ohne Personal und Zeit ist Hygiene nicht zu leisten — und die Konsequenzen tragen am Ende alle.