Grundsätzlich zählt zum Berufsbild der Pflegekraft in erster Linie die Versorgung und Betreuung der Patientinnen und Patienten. Tatsächlich kommen jedoch viele bürokratische Aufgaben hinzu, die wertvolle Arbeitszeit binden. Viele Expertinnen und Experten fordern inzwischen einen Abbau der ausufernden Bürokratie in der Pflege.
Ein Drittel der Schicht geht für Dokumentation drauf
Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wenden Pflegekräfte allein in der stationären Pflege etwa 13 Prozent ihres Arbeitstages, umgerechnet mehr als eine volle Stunde, für Dokumentation und Aktenführung auf. Dieser Mehraufwand reduziert wiederum die Zeit, die für konkrete Pflege bleibt.
Trotzdem ist eine sorgfältige Dokumentation wichtig — sie ermöglicht spätere Nachverfolgung bei Problemen und ist ein Mittel zur Sicherung standardisierter Qualität. Vor allem im stationären Bereich, wo verschiedene Schichten denselben Patienten betreuen, lässt sich nur über die Doku nachvollziehen, wer welche Maßnahme gesetzt hat.
Nicht jede Information ist hilfreich
Karl-Josef Laumann, ehemaliger Bevollmächtigter der Bundesregierung für Patienten und Pflege, ist einer der prominentesten Kritiker: „Die Grundidee ist bestechend einfach. Nur wenn etwas vom normalen Pflegealltag abweicht, muss das noch aufgeschrieben werden." In der Realität führen viele Einrichtungen detaillierte Tagesdokumentationen, die sich kaum unterscheiden — ohne Mehrwert für Patient:innen oder behandelnde Ärzt:innen.
SIS als Versuch des Bürokratieabbaus
Seit 2015 wird bundesweit die Strukturierte Informationssammlung (SIS) eingeführt — ein vereinfachtes Doku-Modell. Inzwischen nutzt mehr als die Hälfte aller Pflegeeinrichtungen das Verfahren. Trotzdem zeigen Umfragen: Der Bedarf nach weiterer Vereinfachung besteht.
Hoffnung Digitalisierung
Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) sieht in digitaler Pflegedokumentation erhebliches Potenzial — insbesondere wenn Daten automatisch in die Doku übertragen werden. Wirklich funktionierende, finanzierbare Systeme gibt es jedoch erst in geringem Maß.
In letzter Konsequenz müssen auch digitale Lösungen vom Pflegepersonal mit Informationen befüllt werden. Echte Zeitersparnis entsteht erst durch konsequente Automatisierung — und genau die fehlt häufig. Ein flächendeckender Effekt setzt voraus, dass digitale Lösungen einrichtungsübergreifend einsetzbar und nachhaltig finanziert sind.